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Thema des Monats - Das Herz bei arterieller Hypertonie

Dem folgenden Text für die Leser der Kardios – Internetseite liegt ein Artikel aus der medizinischen Zeitschrift „Der Internist“ vom März 2007 mit gleichlautendem Titel zugrunde.
Die arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) zählt weltweit zu den häufigsten Erkrankungen. Etwa 25% der Weltbevölkerung (!) leiden erkannt oder unerkannt an dieser Erkrankung und es wird mit einer Zunahme auf 30-35% bis zum Jahr 2025 gerechnet. Im höheren Alter besteht meist eine Erhöhung der systolischen Werte (das ist der erste/höhere Wert der Blutdruckangabe), im jüngeren Alter überwiegt die isolierte Erhöhung der diastolischen Werte (das ist der zweite/untere Wert der Blutdruckangabe).
Eine lang bestehende arterielle Hypertonie führt zu Schäden an den Organen. Diese so genanten Endorganschäden haben eine große Bedeutung, weil sie die Prognose verschlechtern (Prognose meint im medizinischen Sinne die Gesundheitsaussichten). Viele große Untersuchungen konnten zeigen, dass Komplikationen wie Herzinfarkt, Herzschwäche, Schlaganfall und andere häufiger auftreten und die Lebenserwartung sinkt. Eine der besonders bekannten Studien ist die Framingham-Studie, die seit vielen Jahren solche Fragestellungen durch Langzeitbeobachtungen untersucht.
Veränderungen am Herzen Die arterielle Hypertonie führt zur Druckbelastung der linken Herzkammer. Die linke Herzkammer pumpt das sauerstoffreiche Blut in den Körper zur Versorgung des Gewebes wie zum Beispiel der Muskeln und Organe. In Ruhe geschieht dies etwa 60 bis 80 mal in der Minute. Zwischen der linken Herzkammer und der großen Körperschlagader (Aorta) öffnet und schließt sich eine Herzklappe (Aortenklappe). Zu Beginn des Pumpvorganges öffnet sich die Aortenklappe und schafft so eine Verbindung zwischen der linken Herzkammer und den Körperarterien. In diesen herrscht ein bestimmter Blutdruck, eben der Blutdruck, den man messen kann. Ist der Druck nun höher als normal, muss die linke Herzkammer einen ebenfalls stärkeren Druck aufbringen, um das Blut in den Körper zu bewegen.
Wenn man einen Fahrradschlauch aufpumpt, geht das am Anfang, wenn sich nur wenig Luft im Schlauch befindet, der Druck also niedrig ist, ganz leicht. Ist der Schlauch schon fast vollständig aufgepumpt, der Druck im Schlauch schon ziemlich hoch ist, wird das Pumpen mit der Fahrradpumpe schwieriger. Das Herz reagiert stufenweise auf den erhöhten Blutdruck. Zunächst wird die linke Herzkammer etwas kleiner damit die Wand dicker werden kann, ohne dass es zu einer Zunahme der Muskulatur kommt. Man nennt das konzentrisches Remodeling (Umbau) oder prähypertrophiertes Stadium (Hypertrophie bedeutet Muskelmassenzunahme, prä- ist das Stadium davor). Dabei ist die absolute Menge der Herz-Muskulatur (bezogen auf die Körpergröße und das Körpergewicht) normal (normaler Muskelmassenindex) aber die Wanddicke ist vergrößert. Bei weiterhin bestehenden zu hohen Blutdruckwerten entwickelt sich dann eine echte Hypertrophie mit Erhöhung des Muskelmassenindex.
Meist entsteht zuerst eine konzentrische Hypertrophie mit normaler Größe der linken Herzkammer aber deutlich zu dicken Muskelwänden und dann eine exzentrische Hypertrophie mit Vergrößerung der Herzkammer und wieder relativ normaler Wanddicke. In dieser Phase entwickelt sich eine für das Herz sehr ungünstige Druckerhöhung auch in der Erschlaffungsphase (Diastole: Phase, in der das Herz nach dem Pumpvorgang wieder mit Blut gefüllt wird). Diese Druckerhöhung führt zur Veränderungen an drei Bereichen der linken Herzkammer: den Muskelzellen, den kleinen Gefäße und dem Bindegewebe. Alle Veränderungen haben ungünstige Folgen: die Durchblutung des Herzens wird schlechter, die Erschlaffungsfunktion und später auch die Pumpfunktion lassen nach. Dadurch kommt es zu Luftnot unter Belastung, Angina pectoris und verminderter Leistungsfähigkeit. Die Durchblutungsstörungen betrifft zunächst nur die ganz kleinen Arterien (Arteriolen), die zum Beispiel bei der Herzkatheteruntersuchung gar nicht sichtbar sind und auch nicht durch Ballonaufdehnungen, Stentimplantationen oder eine Bypassoperation behandelbar sind.
Erst später entwickelt sich die so genante Makroangiopathie, also die Verengungen an den großen Herzkranzgefäßen, bei denen dann eine Behandlung in Betracht kommt. Ein weiteres Problem betrifft den Herzrhythmus. Durch Veränderungen am Reizleitungssystem, durch die Zunahme des Bindegewebsanteils am Herzgewebe und durch das Entstehen von kleinen Infarkten (Mikroinfarkte werden häufig gar nicht bemerkt und sind auch mit der Ultraschalluntersuchung nicht sichtbar) treten Extrasystolen und Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern häufiger auf. Die Veränderungen am Herzen können durch verschiedene Untersuchungen entdeckt werden. Die Befragung des Patienten kann Beschwerden (Luftnot, Schmerzen in der Brust, Herzstolpern) aufdecken. Mit dem EKG/24h-LangzeitEKG werden Herzrhythmusstörungen und zum Teil auch eine Muskelhypertrophie dokumentiert. Mit der Ultraschalluntersuchung können die Veränderungen der Muskelmasse, der Größe und der Pumpkraft der linken Herzkammer sehr gut dargestellt werden. Auch die so genannte diastolische Funktionsstörung, also die gestörte Erschlaffung nach erfolgter Pumpaktion ist inzwischen gut zu untersuchen. Mit dem Belastungs-EKG können Durchblutungsstörungen unter Belastung aufgedeckt werden. Die Kernspintomografie (MRT) kann kleine Infarkte, Veränderungen der Gewebezusammensetzung und Durchblutungsstörungen nachweisen.
Der Hochdruckpatient ist bezüglich des Herzens durch drei Konsequenzen bedroht: 1. Entwicklung einer Makroangiopathie (Verengungen an den großen Herzkranzgefässen), 2. Entwicklung einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche), 3. Entwicklung von Herzrhythmusstörungen.
Erfreulicherweise konnten inzwischen eine ganze Reihe von Studien zeigen, dass durch die Behandlung des Bluthochdrucks wichtige positive Effekte erreicht werden können. Durch die Normalisierung des Blutdrucks werden die beschriebenen Umbauvorgänge am Herzen unterbrochen. Eine weitere Zunahme der gesundheitlichen Risiken wird verhindert. Aber darüber hinaus kann auch ein Rückgang (Regression) der Veränderungen am Herzen beobachtet werden einhergehend mit einem Rückgang des Risikos für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Herzschwäche, Rhythmusstörungen und Schlaganfall.
Diese Erkenntnisse unterstreichen die enorme Bedeutung der Diagnose und Behandlung der arteriellen Hypertonie. Sowohl die Untersuchung als auch die Behandlung des Bluthochdrucks sind ungefährliche und wenig belastende Maßnahmen, die aber überaus effektvoll sein können. Die Verbesserung der Prognose ist u.a. durch die Framingham-Studie belegt.
Literatur: Hennersdorf MG, Strauer BE: Das Herz bei arterieller Hypertonie; Der Internist 2007, 48:236-245 |
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